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20. November '18

Von Automotive Health zum Automatischen Notruf

Die medizinische Diagnostik im Auto wird als Präventionsmaßname gebraucht, um durch Analyse von Daten Auskunft über den Gesundheits- oder Fittnesszustand des Fahrers geben zu können und somit bereits vor der Entstehung von ernsten Problemen eine Warnung auszugeben. In Kombination mit elektronischen Gesundheitsdaten kann bei einem Unfall schnell und automatisch reagiert werden und jeweils eine genau passende Hilfe dazu geholt werden.

Wenn das Auto zum Gesundheitsmanager wird

Können Fahrzeuge in einen Diagnoseraum verwandelt werden, der automatisch den Gesundheitszustand der Insassen überwacht? Im Rahmen eines von der Volkswagen AG initiierten „Automotive Health“-Projektes ging dieser Frage das Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik der TU Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover nach.

Text: Matthias Gaul

Mit dem Auto zu jeder x-beliebigen Zeit von A nach B fahren: Dieser Anspruch stand einst am Anfang der motorisierten Mobilität. Doch längst ist das Fahrzeug nicht mehr nur ein bloßes Fortbewegungs- und Transportmittel, sondern ein Lebensraum für viele Menschen, die hier einen erheblichen Teil des Tages verbringen. Dabei fährt das Risiko, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, ständig mit. Angesichts der Tatsache, dass der Mensch im Durchschnitt für über 90 Prozent der Unfälle verantwortlich ist, entwickelt die Automobil- und Zulieferindustrie schon seit Jahren innovative Assistenzsysteme, die den Fahrer in kritischen Situationen unterstützen und Unfälle vermeiden beziehungsweise deren Folgen mildern sollen.
„Zu einem wichtigen Thema in Forschung und Entwicklung ist in jüngster Zeit außerdem die Überwachung des Gesundheitszustandes und der Fitness des Fahrers geworden“, sagt Dr. Axel Glanz vom Innovationen Institut in Frankfurt. Einer der Hintergründe: Nach Angaben der Unfallforschung der Versicherer sind über ein Drittel aller Verkehrsunfälle auf gesundheitliche Probleme zurückzuführen. Und genau hier setzt das Geschäftsfeld „Automotive Health“ an. „Dahinter verbirgt sich ein neuartiges Themengebiet, das die zwei bislang völlig unabhängigen Bereiche Mobilität und Gesundheit – unter Hinzunahme neuer Technologien aus den Themenkomplexen eHealth, mHealth und Telemedizin – miteinander verknüpft“, erläutert Dr. med. Manfred Knye, Leiter Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der Volkswagen AG in Wolfsburg. Doch was heißt das eigentlich? Nicht mehr und nicht weniger, als dass durch die Einbindung einer einheitlichen Messumgebung im Fahrzeug Vitaldaten wie Blutdruck, Blutzuckerspiegel, Kreislauf, Herzschlag und andere lebenswichtige Funktionen erfasst werden.
Das Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik (PLRI) der TU Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover hat nun ein Prototypsystem innovativer Sensoren und deren Potenziale untersucht. Das System ermöglicht es unter anderem, in Echtzeit die Atmungsaktivität des Fahrers mit einem am Sicherheitsgurt angebrachten Beschleunigungssensor zu erfassen sowie zahlreiche physiologische Parameter zu messen. „So ist beispielsweise die Gewichtsüberwachung im Sitz integriert und die Herzüberwachung per EKG erfolgt über im Lenkrad eingebaute Sensoren“, erläutert Prof. Dr. Thomas M. Deserno vom PLRI. Technisch sei es auch möglich, eine optische Bildgebung wie die Augenhintergrundspiegelung von der Windschutzscheibe des Fahrzeugs aus anzuwenden. So wird das Fahrzeug zu einem Diagnoseraum, der mit Hilfe der gesammelten Daten dazu beiträgt, gesundheitliche Risiken zu identifizieren und Warnmeldungen zu generieren, bevor unerwünschte Ereignisse eintreten.


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